Stillzeit vorbereiten

Immer wieder treffe ich auf Mütter, die gerne Stillen wollen, das Wochenbett nicht optimal verlief, das Stillen sich nicht etabliert hat und sie am Ende ihrer Kräfte den Wunsch zu stillen aufgeben.


Sie ertragen das Weinen ihrer Babys nicht mehr und mit der Flasche funktioniert es ja auch.


Versteht mich nicht falsch, wenn sich eine Mutter dafür entscheidet ihr Kind mit der Flasche zu ernähren, ist das absolut in Ordnung und sie ist eine genauso gute Mutter, wie alle stillenden Mütter auch. Schade ist es nur, wenn diese Entscheidung aus der Erschöpfung heraus gefällt wird, weil zum Beginn der Stillzeit die Beratung und Unterstützung gefehlt hat.


Doch wieso kommt es soweit? Gerade zur Geburt des ersten Kindes kennen wir uns noch gar nicht mit dem Thema Stillen aus. Woher auch? Wenn nicht gerade die beste Freundin ein Kind bekommen hat oder wir in diesem Bereich beruflich unterwegs sind, haben wir keine Berührungspunkte mit dem Stillen. In der Öffentlichkeit, wird es eher missbilligt, wir schauen verlegen weg und wenn wir ehrlich sind besprechen wir auch mit der besten Freundin nicht, wie genau das mit dem Stillen eigentlich funktioniert.


Wer kann uns also unterstützen? Eine gute Anlaufstelle sind natürlich die Hebammen. Doch heutzutage hat leider nicht jede Mutter Unterstützung durch eine Hebamme. Oft findet die Geburt in der Klinik statt und spätestens seit der Pandemie wissen wir alle um den Pflegenotstand. Auch im Kreißsaal sieht es in der Regel personell nicht besser aus. Daher bleibt die Begleitung beim ersten Anlegen oft aus und es folgt wenig Beratung. Mit einem so geringen Personalschlüssel ist das oft schlicht nicht machbar, zum Leidwesen der jungen Familien.


Von vielen schwangeren Freundinnen habe ich schon einmal gehört, dass sie das Stillen ausprobieren wollen und es einfach auf sich zukommen lassen. Ich liebe das Vertrauen in den eigenen Körper und die Gelassenheit, dass alles klappen wird: Wunderbare Begleiter beim Stillen. Doch ein bisschen Wissen, kann gerade den Start ungemein erleichtern.


  1. BONDING! Genieße die Zeit nach der Geburt. Lernt euch kennen. Bringe dein Baby in den direkten Kontakt, Haut auf Haut. Nach einer Weile wird sich dein Baby zur Brust bewegen und selbstständig anlegen.

  2. HUNGERZEICHEN. Achte auf die kleinen Anzeichen deines Babys, dass es Hunger hat. Ein vor Hunger weinendes Baby ist deutlich schwerer anzulegen als ein ruhiges, nur leicht hungriges Baby.

  3. STILLPOSITIONEN Es gibt unfassbar viele Positionen in denen du Stillen kannst. Konzentriere dich zum Beginn auf ein bis zwei Positionen und ihre korrekte Ausführung. Später, wenn du vom Handling her sicherer bist, ist es deutlich leichter eine neue Position zu lernen. Ihr werdet sehen irgendwann klappt das ganz sowieso intuitiv.

  4. KORREKTES ANLEGEN Achte darauf, dass dein Baby ebenfalls eine gute Position zum Trinken hat. Dein Baby sollte im Körperkontakt bei dir liegen und nicht verdreht in seiner Körperhaltung sein. Die Brustwarze ist auf Mundhöhe. So vermeidest du wunde Brustwarzen.

  5. PFLEGE DER BRUST Lass nach dem Stillen den letzten Tropfen Muttermilch auf der Brustwarze trocknen. Weitere Pflege ist erstmal nicht nötig. Nutze beim Duschen keine stark parfümierten Duschgele (vor allem im Bereich der Brüste). Durch spezielle Drüsen wird ein Duftstoff freigesetzt der deinem Baby den Weg zur Brust weist und schmackhaft macht.

  6. HÄUFIGKEIT Achte auf deine Bedürfnisse und die deines Babys. Spannen deine Brüste? Lege dein Kind an. Zeigt dein Baby Hungerzeichen? Lege es an. So wird sich schnell ein ganz individueller Rhythmus entwickeln. Nach einer kurzen Erholungsphase, nach der Geburt, spielen sich schnell rund 10-12 Mahlzeiten am Tag ein. Versteife dich nicht zu sehr auf feste Uhrzeiten und Pausenlängen. Schenke deinem Baby Vertrauen. Auch wir haben nicht immer den gleichen Appetit. Wichtig ist, dass dein Baby zunimmt, gesund und munter ist.

  7. ZUFÜTTERN Wenn du aus medizinischen Gründen zufüttern musst, bestehe auf eine alternative Fütterungsmethode und greife nicht direkt zur Flasche. Optimal ist es an der Brust zuzufüttern. Lass dich dabei durch medizinisches Fachpersonal beraten und unterstützen.

  8. UNTERSTÜTZUNG Du bist nicht allein! Such dir Hilfe. Es gibt immer mehr speziell ausgebildete Hebammen und Stillberaterinnen. Google doch einfach mal und schaut noch Unterstützung in deiner Nähe. Eigne dir Wissen rund zum Thema Stillen an. Beispielsweise kannst du einen Stillvorbereitungskurs besuchen, so hast du das nötige Know-How und bist trotz evtl. Schwierigkeiten optimal vorbereitet.

Wichtig ist mir noch sagen, hab keine Angst zu stillen. Der Anfang ist manchmal holprig, aber es lohnt sich. Du und dein Kind müsst eben beide erst lernen, wie Stillen funktioniert und dein Körper braucht etwas Zeit um sich an die neue Aufgabe zu gewöhnen. Lass dich nicht entmutigen, tausche dich aus, suche dir wenn nötig Hilfe und genieße diese wundervolle neue Erfahrung. Denk immer daran: Du bist wunderbar! 🙂



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