Warum eine Stillberatung sinnvoll ist.

Wieso sollte ich eine Stillberatung hinzuziehen und welche Aufgaben übernimmt sie überhaupt?

„Ich mache mir da erstmal keinen Stress. Und ich dachte mir, dass es ja dann eine Hebamme gibt, wenn es nicht klappt. Aber, kannst du vergessen. Die haben bisher alle, wenn sie sich überhaupt gemeldet haben, abgesagt“ Die Suche nach einer Unterstützung, in wohl einer der aufregendsten Zeiten unseres Lebens, gestaltet sich oftmals langwierig und frustrierend. So schrieb mir eine Kollegin nachdem ich ihr und ihrem Partner zur Schwangerschaft gratuliert habe, diese Nachricht. Dabei kommt doch so viel Neues auf uns zu, das wir zu Beginn der Schwangerschaft noch gar nicht richtig erfassen können und wobei wir uns eine Begleitung wünschen würden. Glücklicherweise ist die Vorfreude groß und überwiegt. Immerhin gibt es ja viele Blogs, informative Internetseiten, schlaue Ratgeber und einige Freundinnen haben doch auch schon Kinder bekommen. Bis das Thema Stillen eine Rolle spielt, vergehen ja auch noch ganze neun Monate.


Also gehen die werdenden Mütter positiv und optimistisch gestimmt allein ihren Weg. Eine gute Portion Optimismus, Gelassenheit und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten sind wundervolle Begleiter und gute Eigenschaften für eine liebevolle und erfolgreiche Stillbeziehung. Aber was passiert, wenn die Informationen zu viel werden? Wenn jedes Medium, das wir zurate ziehen, eine andere Aussagen und Empfehlung für uns bereit hält? Und auch unsere Freundinnen ganz Unterschiedliches erlebt haben. An dieser Stelle, können zertifizierte Stillberaterinnen helfen sich in der Informationsflut zurecht zu finden.


Stillspezialistinnen und auch IBCLCs legen eine umfassende Prüfung ab und müssen sich alle fünf Jahre über Fortbildungen rezertifizieren, um ihren Titel zu behalten. So können sich werdende Mütter und Familien sicher sein, dass die StillberaterInnen auf dem neusten Stand sind und eine fachlich fundierte Ausbildung haben. Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, ich habe das Thema Stillen anfangs wahrlich unterschätzt. es gibt sehr viel zu lernen. Die Prüfung ist kein Kinderspiel. Aber es lohnt sich.

Zurück zum eigentlichen Thema:

Für einige Mütter und Paare kann eine erste Beratung, durch zum Beispiel einen Stillvorbereitungskurs oder auch einen Geburtsvorbereitungskurs, der das Thema Stillen behandelt sinnvoll sein. Es ergibt sich die Möglichkeit alle Fragen stellen zu können und mit anderen Paaren, die in der gleichen Situation sind, in Kontakt zu kommen. Die wichtigsten Punkte zum korrekten Anlegen, der optimale Ablauf für den Beginn einer Stillbeziehung oder auch Tipps zur Vermeidung von wunden Brustwarzen werden besprochen. Und egal ob dieser erste Kontakt mit dem Thema Stillen in der Gruppe oder auch in einer Einzelberatung erfolgt, die Mütter können ein größeres Selbstvertrauen aufbauen und Sicherheit erlangen.


Auch während der Geburt, kann der Personalmangel in den Kliniken wieder eine Rolle spielen. Häufig finden die Hebammen im Kreissaal und später die Gesundheits- und KrankenpflegerInnen im Wochenbett nicht genügend Zeit. Das Aufgabenfeld der in der Klinik Arbeitenden ist einfach zu groß und vielfältig, um alle Fragen zu beantworten und ausreichend Zeit für jede Mutter und ihr Neugeborenes zu haben. Dann ist es für alle Frauen von Vorteil, die wichtigsten Kenntnisse zum Start in das Stillleben bereits vorab gehört zu haben oder auch dann die fehlende Unterstützung durch eine StillberaterIn in Anspruch zu nehmen. Denn nichts kann verwirrender sein, als die vielen Meinungen der verschiedenen Professionen und Dienstschichten im Krankenhaus.


Dabei wird eine weitere wichtige Aufgabe der StillberaterInnen deutlich. Es geht nicht nur darum Fachwissen zu vermitteln, sondern auch die Mütter in ihrer Stillfähigkeit zu bestärken und zu ermutigen. Gerade die emotionale Unterstützung braucht Zeit. Schließlich ist es gar nicht so einfach, sich in seiner neuen Rolle als Mutter kennenzulernen. Die Umstellung des Hormonhaushaltes bei der Frau nach der Geburt ist dabei nicht immer eine gute Unterstützung. So braucht es manchmal einfach ein liebes Wort oder eine gewisse Führung bei all den neuen Aufgaben und Herausforderungen. Gemeinsam arbeiten StillberaterInnen und Mütter daran, dass die Stillmahlzeiten zu den oft dringend benötigten Auszeiten voller Liebe und Geborgenheit werden können. Aber eben nur, wenn das Stillen etabliert und schmerzfrei abläuft.


Denn Stillen soll keine Schmerzen verursachen. Sollten beim Stillen Schmerzen auftreten, gilt es die Ursache zu finden. StillberaterInnen können dabei einfühlsam helfen. Sie schauen beispielsweise nach der Anlegetechnik, überprüfen das Saugen des Babys und untersuchen die Brust auf Wunden oder Entzündungen. Auch ein Milchstau kann starke Schmerzen verursachen. Ist die Ursache gefunden, wird ein konkreter Plan erstellt. Was muss sich verändern, damit das Stillen gut funktioniert und schmerzfrei ist? Die einzelnen Schritte dorthin werden auf das jeweilige Mutter-Kind-Paar angepasst und durch engmaschigen Kontakt begleitet.


Und auch wenn im weiteren Verlauf Probleme auftreten oder der Stillstart nicht optimal verlief, ist eine Stillberatung sinnvoll. So kommt es häufig zu einer geringen Milchbildung, wenn nach der Geburt nicht ausreichend angelegt wurde. Schnell wird dann mit der Flasche zugefüttert. Doch eigentlich ist der Wunsch der Mutter voll zu stillen. Bei der Umgewöhnung von der Flasche hin zum Stillen und der Stimulation der Brust, um die Milchproduktion anzuregen, braucht es einen konkreten Plan und sicheres Vorgehen.


Selbstverständlich können sich auch Mütter beraten lassen, die ihr Kind mit der Flasche ernähren wollen. Sei es zur passenden Formularnahrung, geeigneten Flaschen und Saugern oder zum Intensivieren des Körperkontaktes bei der Flaschenfütterung. Denn auch Kinder, die ihre Nahrung per Flasche bekommen, lieben es zu kuscheln.


Natürlich, und nicht zu vergessen, ist Muttermilch die optimale Ernährung des Neugeborenen. Muttermilch passt sich über den Kontakt zwischen Mund und Brustwarze individuell den Bedürfnissen eures Babys an. So ist die Muttermilch von Frühgeborenen Müttern zum Beispiel vermehrt mit Immunstoffen und Fetten angereichert. Wodurch die Frühgeborenen optimal in ihrer Entwicklung unterstützt werden. Aber auch, wenn ihr oder euer Baby einen Infekt durchmacht, unterstützt die Muttermilch das Immunsystem eures Kindes. Hinzu kommt, dass Muttermilch immer zu Verfügung steht und deutlich kostengünstiger ist als Formularnahrung. Allein vom Kostenfaktor lohnt es sich also in die Beratung zu investieren. Da eine Ernährung mit Formular auf lange Sicht deutlich teurer wäre.


Und nach all den Fragen und neuen Herausforderungen geht es nach rund 6 Monaten erneut mit vielen Fragen los. Das Thema Beikosteinführung oder später der Übergang zurück in den Beruf steht an. Wie gelingt es? Was darf gefüttert werden? Sollte das Baby selbst essen oder gefüttert werden? Und darf oder sollte ich weiter Stillen? Das nur als kleinen Auszug der vielen Fragen.


Ihr merkt, das Aufgabenfeld einer Stillberatung ist groß. Egal ob es um die Gesundheit des Babys, das Wohl der Mutter oder den Alltag mit einem Neugeborenen geht. Bei Fragen und Problemen kann euch eine ausgebildete StillberaterIn eine gute Unterstützung sein. Also zögert nicht und sucht euch Hilfe. Eine geeignete StillberaterIn, die in eurer Nähe tätig ist, findet ihr über die Seiten des Berufsverbands Deutscher Laktationsberaterinnen IBCLC e.V. oder über das Ausbildungszentrum Laktation und Stillen. Bei Anmerkungen zum Text oder allen anderen aufkommenden Fragen wendet euch gern an mich. Schreibt mir eine Mail, eine kurze Nachricht auf Instagram oder kontaktiert mich über das Kontaktformular auf meiner Internetseite.


Abschließend hoffe ich euch einen guten Überblick über die Aufgaben und Notwendigkeit einer StillberaterIn verschafft zu haben. Und vielleicht habe ich es ja geschafft das ein oder andere Fragezeichen in eine Ausrufezeichen zu verwandeln.


 


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